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Schouml;ner Südwesten

Sinnesleistung – Hören


Letzte Aktualisierung: 05.02.2018

Ohren haben Spinnen nicht. Können Sie deswegen auch nicht hören? Wie man’s nimmt. Was bedeutet hören eigentlich?

Veraenderliche-Krabbenspinne
Auch ohne Ohren zu haben, können Spinnen hören, vorausgesetzt man versteht darunter, dass sie Luftschwingungen und -strömungen wahrnehmen und diese Reize verarbeiten.

Können Spinnen hören? Oder: Haben Spinnen Ohren?

Beim Menschen fängt das Ohr Schallwellen ein. Schallwellen sind dabei nichts anderes als bewegte oder schwingende Luft. Über ein filigranes System werden diese Schwingungen im Innenohr weitergeleitet. Das Gehirn verarbeitet das Ganze dann zu einem Sinneseindruck, den wir hören nennen.

Auch ohne Ohren zu haben, können Spinnen hören, vorausgesetzt man versteht darunter, dass sie Luftschwingungen und -strömungen wahrnehmen und diese Reize verarbeiten. Wie geschieht das?

Nach obenBecherhaare, Trichobothrien

Spinnen haben bekanntlich haarige Beine. Für die Spinne ist die Behaarung zur Wahrnehmung der Außenwelt von überragender Bedeutung. Die Haare auf den Beinen weichen strukturell voneinander ab und nehmen je nach Aufbau unterschiedliche Funktionen wahr. So unterscheidet man beispielsweise an den Beinen zwischen Tasthaaren und Becherhaaren. Für die Frage nach der Fähigkeit der Spinnen zu hören, sind die Becherhaare von besonderem Interesse. Als die Becherhaare in ihrer Funktion zuerst beschrieben wurden, da nannte man sie auch Hörrhaare (1). Später setzte sich der Begriff Trichobothrien (2) bzw. Becherhaare durch. Dabei handelt es sich um lange, sehr feine und sehr bewegliche Haare, die in einem „Becher“ im Außenskelett der Beine eingelenkt sind. Es genügen bereits geringste Luftbewegungen, um sie ins Schwingen zu versetzen. Aufgrund ihrer sensiblen Eigenschaften – sie sind direkt mit Nervenzellen verbunden – entsteht für die Spinne ein wahrnehmbarer Reiz, den die Spinne auch einordnen und verarbeiten kann.

Insbesondere bei nachtaktiven Spinnen spielt diese Reizverarbeitung für die Ortung der Beute eine zentrale Bedeutung (3). Man stelle sich folgendes vor: ein Insekt fliegt auf eine Spinne zu. Die Bewegung der Flügel verursacht feinste Luftwirbel. Die hochsensiblen Trichobothrien werden durch die Luftströmung bewegt und diese Bewegung versetzt die Spinne in die Lage das herannahende Insekt so präzise zu orten, dass sie es erfolgreich angreifen kann.

Nach obenHören aus drei Meter Entfernung

Folgen

Während man lange Zeit dachte, dass Spinnen nur auf Luftschwingungen in ihrer unmittelbaren Umgebung reagieren, hat man vor noch gar nicht langer Zeit herausgefunden, dass Spinnen auch Geräusche in mehreren Metern Entfernung wahrnehmen können.

Forscher der Cornell University, Ithaca, New York (USA) konnten das bei einer Springspinne nachweisen (4). Der Zufall hilft bei solchen Entdeckungen manchmal mit. So berichtet die Washington Post, wie die Forscher ihre Entdeckung machten (5). Bei einer Springspinne sollten im Rahmen eines anderen Experiments neuronale Aktivitäten gemessen werden. Als man in ein paar Metern Entfernung einen Stuhl verrückte, kam es zu einer Rückmeldung des Messgeräts. Daraufhin neugierig geworden, konnten die Forscher mit weiteren Experimenten nachweisen, dass die Tiere tatsächlich bestimmte Geräusche im niedrigen Frequenzbereich aus bis zu 3 Metern Entfernung wahrnehmen können. Weiterhin stellten sie fest, dass die Spinne bei diesen Geräuschen gleichsam erstarrte, „ein […] Verhalten, das für eine akustische Schreckreaktion charakteristisch ist“ (6). Sie folgerten daraus, dass diese Starrhaltung dazu diene, sich für einen Räuber, der es auf die Spinne abgesehen habe, unsichtbar zu machen.

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