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Schouml;ner Südwesten

Brutpflege einheimischer Spinnen


Letzte Aktualisierung: 27.02.2013

Vielfältige Formen fürsorglichen Verhaltens zeigen Spinnenmütter. Manche Arten tragen zuerst ihre Eier spazieren, anschließend den Nachwuchs. Andere bauen Verstecke in denen sie den Nachwuchs bewachen, gar aggressiv verteidigen. Und manche stellen ihren eigenen Körper als Nahrung zur Verfügung.

Raubspinne mit Kokon
Die Raubspinne (Pisaura mirabilis) trägt ihren Eikokon mit ihren Kieferklauen (Cheliceren)

Eiablage im Kokon

Nach der Begattung vergeht einige Zeit, bis das Spinnenweibchen Eier legt. Spinnen legen ihre Eier in der Regel in einen Kokon ab. Regelmäßig werden sowohl der Kokon und nicht selten auch die Nachkommen in ihren ersten Lebenstagen bewacht. Dass Spinnenmütter ihre Nachkommen bewachen, ist ein recht häufiges Verhalten. Bekannt ist es beispielsweise von Wolfsspinnen, Raubspinnen, Fensterspinnen aber auch von Sackspinnen, Springspinnen, den Wespenspinnen und auch der grünen Huschspinne (1) . Auf Youtube gibt es von Carabus Film (2) eine sehr schöne, qualitativ hochwertige Filmsequenz, die zeigt wie eine grüne Huschspinne ihre Brut gegen einen Störenfried verteidigt.

Nach obenWolfsspinnen

Wolfsspinne mit Kokon
Wolfsspinne mit Kokon - befestigt an den Spinnwarzen.

Wolfsspinnen sind leicht zu beobachten. Spaziert man zu Frühlingsbeginn oder auch etwas später einen Waldweg entlang, bleibt kurz stehen und lauscht, so hört man es manchmal vernehmlich rascheln. Gerade in Laubwäldern tummeln sich in der Streu zum Teil große Mengen von Wolfsspinnen, die wieselflink über das Laub laufen und bei einer Störung schnell Schutz unter einem Blatt suchen. Mit diesem Wissen ausgerüstet kann man die Streuschicht ein paar Wochen später genauer unter die Lupe nehmen, nämlich dann, wenn die ersten Wolfsspinnen sich bereits gepaart und die Weibchen ihre Eier gelegt haben. Weibliche Wolfsspinnen tragen an den Spinnwarzen ihres Hinterleibs befestigt ein kugelförmiges Gebilde mit sich herum - den Kokon. Verliert ein Weibchen ihren Kokon, so beginnt sie, ihn zu suchen. Findet sie ihn nicht mehr, nimmt sie in ihrer Not auch andere Dinge auf, die eine vergleichbare Form wie der verloren gegangene Kokon haben.

Ist die Zeit gekommen zu der die Jungtiere geschlüpft sind, hilft die Mutter ihrem Nachwuchs, den Kokon zu verlassen. Mit ihren Cheliceren öffnet sie den Kokon und heraus strömen die kleinen Spinnchen und krabbeln auf den Hinterleib der Mutter. Da sitzen sie nun über und untereinander, krabbeln auch mal von links nach rechts und fällt ein Jungtier runter, versucht es schleunigst wieder zurück zur Mutter zu kommen.

Video: Wolfspinne trägt Jungspinnen auf dem Rücken

Nach obenRaubspinnen

Raubspinnen (Pisaura mirabilis) werden gerne mit Wolfsspinnen verwechselt. Auf den ersten Blick ist das verständlich, denn auch eine Raubspinne trägt ihren Kokon mit sich herum. Allerdings bedient sich mirabilis dabei seiner Kieferklauen (Cheliceren) und trägt den Kokon sozusagen mit dem Mund. Damit hören die Ähnlichkeiten allerdings schon auf. Das Weibchen beginnt bald einen Unterschlupf zu spinnen in denen es den Kokon befestigt. Die geschlüpften Jungspinnen halten sich unter den wachen Augen der Mutter in diesem Gespinst auf, bis sie die Kinderstube nach einer Weile wieder verlassen.

Video: Brutpflege der Raubspinne (Pisaura mirabilis)  

Nach obenJungspinnen fressen ihre Mutter

Doch damit nicht genug. Ein faszinierendes Verhalten wird von der Fensterspinne (Amaurobius fenestralis) an den Tag gelegt. Diese nicht gerade seltene Spinne führt ein verstecktes Leben, und es ist nicht so einfach, sie zu beobachten. Unter loser Rinde abgestorbener Bäume legt sie ihr Gespinst an. Hier werden auch die Eier gelegt und das Weibchen bleibt bei den geschlüpften Jungtieren. Bald darauf stirbt das Weibchen und wird vom eigenen Nachwuchs aufgefressen. Soweit so gut, könnte man meinen, doch das eigentlich Faszinierende kommt erst noch. Bellmann (3) berichtet, dass der Körper der Mutter bereits durch die Eigenproduktion von Verdauungssäften "innerlich aufgelöst" wird. Interessant ist die Frage, ob es sich hierbei quasi um den natürlichen Tod des Muttertiers handelt, der durch die bessere Verdaubarkeit des Mutterkörpers noch einen arterhaltenden Nebeneffekt hat, oder stellt der Tod der Mutter gar einen Suizid zugunsten der Nachkommenschaft dar?

Nach obenFütterung

Folgen

Eine weitere interessante Erscheinung findet man bei der Erdfinsterspinne (Coelotes terrestris) (4) . Die im Wald lebende Erdfinsterspinne baut am Boden ein Netz und lebt versteckt in der sich daran anschließenden Gespinströhre. Nachdem die Jungspinnen im Sommer geschlüpft sind, bleiben sie zunächst bei der Mutter. In dieser Zeit werden sie regelrecht von ihr gefüttert. Gefangene Beute wird laut Foelix (5) von der Mutter durch Verdauungssekret vorverdaut und an die Jungspinnen weitergegeben. Diese zeigen sogar ein Bettelverhalten. Durch Berühren der die Beute haltenden Kieferklauen, veranlassen sie die Mutter, ihnen die Beute zu überlassen (6).

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