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Schouml;ner Südwesten

Kräuseljagdspinne (Zoropsis spinimana)


Letzte Aktualisierung: 04.12.2017

Gerade im Herbst kann es sein, dass ein zufälliger Blick an die Decke in der eigenen Wohnung einen neuen Mitbewohner offenbart. So sind zumindest die Bilder auf dieser Seite entstanden. Die Spinne, die hier auf den Bildern und im Video zu sehen ist, lächelte eines Tages von der Zimmerdecke des Wohnzimmers auf mich herab, winkte einladend mit den Pedipalpen und bat darum, fotografiert zu werden.

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Die in Wohnungen anzutreffende Kräuseljagdspinne breitet sich seit 2005 in Deutschland aus.

Im ersten Moment hatte ich noch gedacht, es handele sich um eine Hauswinkelspinne, auch wenn die Körperform irgendwie nicht so richtig zu einer der Tegenaria Arten passen wollte. Sie erinnerte eher an eine große Wolfspinne (Lycosidae) oder auch an eine Tarantel. Schnell war das Tier eingefangen und in ein Terrarium gesteckt. Als ich es in Ruhe betrachtete, war bald klar, dass es sich nicht um eine Tegenaria oder Lycosa handelte, sondern um die Kräuseljagdspinne Zoropsis spinimana.

Nach obenAusbreitung und Verbreitung

Seit einigen Jahren begegnet einem in Deutschland die Kräuseljagdspinne. Im Jahr 2005 (1) hat man diese Art das erste Mal in Deutschland in Freiburg gefunden und seitdem nimmt ihr Verbreitungsareal stetig zu. Insbesondere entlang des Rheins gibt es viele Nachweise, wie man auf der Nachweiskarte im Atlas der Spinnentiere der Arachnologischen Gesellschaft (2) sehr gut sehen kann.

Die Kräuseljagdspinne wandert bereits seit einiger Zeit von Süden über die Alpen nach Norden. Wobei ihre Wanderung vermutlich durch den Transport auf Fahrzeugen wie LKW oder Wohnwagen beschleunigt wird bzw. wurde. Nach dem ersten Fund in Freiburg erfolgte ein Jahr später bereits ein weiterer Fund bei Köln (3). Es gilt als wenig wahrscheinlich, dass sie die Strecke auf natürlichem Weg zurückgelegt hat.

Da solche Transporte von Insekten und Spinnen eigentlich ständig stattfinden (auch der Maiswurzelbohrer, ein Käfer, wurde auf diese Art und Weise verbreitet), muss es einen Grund geben, warum es der Spinne erst in den letzten Jahren gelingt, sich bei uns zu etablieren. Eine mögliche (vorsichtige) Erklärung für die aktuelle Verbreitungstendenz könnte der Klimawandel sein (Hänggi & Bolzern (2006)).

Nach obenLebensweise

Die Art ist recht auffallend. Zum einen gehört sie mit einer Körpergröße zwischen 9 – 19 mm und einer Beinspannweite, die bis zu 6 cm betragen (4) kann, zu den größeren in Deutschland vorkommenden Spinnenarten. Zum anderen siedelt sie sich bevorzugt in Häusern an – übrigens ganz anders als in ihrer ursprünglichen Heimat dem westlichen Mittelmeergebiet. Dort lebt sie in lichten Wäldern unter Steinen (5).

Die Kräuseljagdspinne ist ein nachtaktiver Lauerjäger. Sie wartet regungslos, bis ein Beutetier in die Nähe kommt, und ergreift es dann blitzschnell. Interessant ist bei der Kräuseljagdspinne, dass sie eine besondere Art des Fadens erzeugen kann, den man eigentlich nur von Spinnen kennt, die für den Beutefang Netze spinnen. Spinimana verwendet diese sogenannten Kräuselfäden allerdings weder für den Beutefang noch spinnt sie die gefangene Beute damit ein (6).

Im Herbst zieht es sie vermehrt in Keller, Häuser und Wohnungen. Zu dieser Jahreszeit beginnt sie sich auch zu paaren und legt im Frühling ihre Eier (7). Das Weibchen der nur einjährigen Spinnenart kann bis zu drei Kokons erstellen, die dann von ihr bewacht und auch verteidigt werden.

Video: Kräuseljagdspinne (Zoropsis spinimana)

Nach obenKräuseljagdspinne – Biss und Giftigkeit

An verschiedenen Stellen hatte ich gelesen, dass die Kräuselspinne ein interessantes Verhalten zeigen soll. Wenn sie sich bedroht fühle, nähme sie eine Drohhaltung ein in dem sie ihren Körper aufrichtet und die Cheliceren spreizt und ihre „Waffen“ – die Giftklauen – zeigt (8).

Mein gefangenes Exemplar, das als Fotomodell bereits erste Erfahrungen gesammelt hatte, war nun auserkoren, auch dafür Model zu stehen: Ich wollte ein Foto von diesem Verhalten machen. Also stupste ich sie an. Nichts geschah. Ich stupste noch mal, sie krabbelte etwas weg, noch mal stupsen – keine verwertbare Reaktion. So ging es eine Weile, doch das Tier tat mir einfach nicht den Gefallen, die beschriebene Reaktion zu zeigen. Von Aggressivität war nichts zu spüren. Auch auf der Webseite der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung berichtet der Arachnologe Dr. Jäger vom Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt (9) etwas ähnliches.

Da die Spinne recht groß und mehr oder weniger neu in Deutschland ist, bleibt es nicht aus, dass Ihre Ankunft immer wieder von Presseberichten begleitet wird. Sie ähnelt damit ein bisschen der Dornfinger Spinne, ohne meines Wissens nach eine bisher vergleichbare Hysterie provoziert zu haben. Nun kann aber auch die Kräuseljagdspinne zubeißen und ihre Kieferklauen sind kräftig genug, dass sie die Haut eines Menschen durchdringen können. Manch ein Spinnenforscher will es daher genau wissen, wie es denn nun mit der Giftigkeit bestellt sei, und macht einen Selbstversuch (10). So taten es schließlich Dr. Ambros Hänggi und sein Kollege Dr. Angelo Bolzern, beide beschäftigt am Naturhistorischen Museum in Basel. Sie ließen sich in den Unterarm beißen. Für die Nachwelt hielten sie ihre Beobachtungen fest: Es sei weniger schmerzhaft als ein Wespenstich gewesen und die Rötung der Haut sei nach ein paar Tagen wieder verschwunden. Ein anderer Arachnologe, der unfreiwillig gebissen wurde, verglich die Wirkung mit einem Bienenstich (11).

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