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Schouml;ner Südwesten

letzte Aktualisierung: 22.02.2012

Trockenmauern


Nach obenTrockenmauern

Trockenmauer

Trockenmauern in aufgelassenem Weinberg

Trockenmauern sind beeindruckende, landschaftsprägende Elemente menschlichen Wirkens. Gleichzeitig erfüllen sie eine wichtige ökologische Funktion.
Wie beeindruckend von Trockenmauern geprägte Landschaften sein können, erschließt sich einem erst wirklich, wenn man sie gesehen hat. Wer Trockenmauern nur als kleinere Einheiten kennt, die mal hier und mal da stehen, vielleicht nur wenige Meter lang und keinen Meter hoch sind, dem sei dringend ein Besuch in einer Region empfohlen, wo diese Bauwerke noch in größerem Rahmen vorkommen.

Daher stellt sich zunächst die Frage: wo sind in dem Gebiet, das Schoener-Suedwesten.de behandelt, Trockenmauern zu finden?

Nach oben Lage und Verteilung von Trockenmauern

Das Landesbiotopgesetz stellt Trockenmauern unter Schutz. Sie werden unter der Rubrik „Morphologische Sonderformen anthropogenen Ursprungs” zusammengefasst. Daher hat die Biotopkartierung Trockenmauern landesweit erfasst und kartografisch aufgearbeitet.

Wer eine detailliertere Karte für Gesamt Baden-Württemberg sucht, wird auf der Webseite der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz, Baden Württemberg (LUBW) (1) fündig. Eine schnelle, schematische Übersicht liefert ebenfalls ein von der LUBW herausgegebenes PDF Dokument (2).

Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Anzahl der Biotope des Biotoptyps Trockenmauern und der von ihnen eingenommenen Fläche, wie sie die Landesbiotopkartierung erfasst hat.

Region Gesamtfläche
Stromberg-Heuchelberg 48,58 ha
Schwäbisch-Fränkischer Wald 55,92 ha
Biosphäregebiet 4,41 ha

Stand: 2010

Es verwundert nicht, das in den beiden Naturparken eine höhere Anzahl an kartierten Trockenmauern und der von ihnen eingenommenen Fläche vorkommt als wie im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, hängt der Trockenmauerbau doch sehr stark mit der Verbreitung des Weinbaus zusammen.

In dem nachfolgenden Artikel wird daher das Augenmerk hauptsächlich auf Trockenmauern der Weinberge gerichtet.

Nach obenTrockenmauern im Weinberg

Trockenmauer

Der Michaelsberg bei Cleebronn

Manch ein Weinberg, den man heute auf einer Wanderung durchquert, ist trist und langweilig. Manche Region, deren Hügel und Berglein aus der Entfernung aussehen als hätte jemand ihnen einen grünen Mantel übergelegt, lassen den Besucher dennoch enttäuscht zurück. Das Auge des Betrachters hat nichts an dem es verweilen könnte, nichts was die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die Monotonie ist zum Teil erdrückend. Solche Weinberge entfalten ihren Reiz vielleicht im Herbst, wenn sie in allen Farben erstrahlen, mit Sicherheit nicht im Winter wo die Tristesse einen erdrückt, im Sommer können sie einen vielleicht versöhnen aber nicht wirklich erfreuen.

Ganz anders dagegen die Hänge, die gegliedert sind durch Mauern. Unwillkürlich erfüllen sie einen mit Ehrfurcht – Ehrfurcht vor der Leistung der Menschen, die sich schinden mussten, um diese Terrassen, manchmal nur wenige Meter breit, dem Berg abzuringen. Die Steine mussten gebrochen, sie mussten an Ort und Stelle mühsam die steilen Hänge hinauf oder hinab transportiert und zu guter Letzt aufgeschichtet werden. Bei manch einem dieser terrassierten Hänge fragt man sich, wo um Himmels Willen die Steine überhaupt herkamen, wie weit sie transportiert werden mussten.

Diese kulturelle Meisterleistung, die einem Respekt einflößt ist gefährdet. Eine fachgerecht aufgesetzte Trockenmauer hält sehr lange, doch irgendwann muss auch sie repariert und ausgebessert werden. Der Hang drückt gegen die Mauer, Wasser gerät in die Hohlräume, friert und dehnt sich aus. Erste Steine lockern sich, einzelne Steine brechen raus, die Mauer wölbt sich vor und wenn jetzt niemand Hand anlegt, dann wird sie eines Tages einbrechen. Wer schon Trockenmauern gebaut hat, der weiß welch mühsames Geschäft ihm nun bevor steht. Und schon haben wir den Grund, warum sich das kaum einer noch antut. Die schwere Arbeit wird oft nicht mehr ausgeführt und so bröseln die Mauern nach und nach zusammen. Wurde die Bewirtschaftung des Hanges gar komplett aufgegeben und hat der Wald erst wieder Besitz von der Fläche ergriffen, dann ist das Schicksal der Mauern endgültig besiegelt.

Sehr schön läßt sich das in den kleinen Seitentälern von Neckar und Enz beobachten. So wurde bereits vor einiger Zeit an der Rems der Weinbau aufgegeben. Spaziert man von Remseck Richtung Waiblingen, kommt man an etlichen Stellen vorbei wo man innerhalb der bewaldeten Hänge noch Mauerreste erkennen kann. Etwas anders stellt es sich im Leudelsbachtal bei Markgröningen dar. Neben überwaldeten Flächen wurden auch ehemalige Weinberge offengehalten und zum Teil mit beträchtlichen Aufwand saniert.

Der ein oder andere Weinberg wird im Naturpark Stromberg Heuchelberg auch heute noch von Trockenmauern durchzogen, gleiches gilt für den schmalen Rand den der Weinbau im Bereich der Westgrenze des Naturparks Schwäbisch Fränkischer Wald einnimmt. Doch so häufig wie in früheren Zeiten, wo der Anblick mauerdurchsetzter Hänge noch die Regel war, sind sie bei weitem nicht mehr.

Die Trockenmauern, die man heute im Stromberggebiet findet, lassen höchstens ansatzweise erahnen wie imposant von Mauern durchsetzte Kulturlandschaften aussehen können. Wenn jemand aus Nichtweinbaugebieten hierher reist, um sich ein Bild von diesen Bauwerken zu machen, der ist hier leider falsch.

Dennoch - unweit des Naturparks Stromberg-Heuchelberg finden sich beeindruckende Steillagen, die mit etlichen Kilometern Trockenmauern durchzogen sind. Genannt seien hier beispielsweise die Weinberge an der Enz bei Roßwag oder die am Neckar bei Besigheim.

Nach obenKurze Geschichte des Weinbaus

So ist naturgemäß die Geschichte des Trockenmauerbaus aufs Engste mit der Geschichte des Weinbaus (3) verknüpft. Zwar hat es bereits bei den Römern (4) erste Ansätze gegeben, Wein in Südwestdeutschland zu kultivieren, die Völkerwanderung brachte allerdings den Weinbau wieder zum Erliegen. So richtig ihn Gang gekommen ist der Weinbau im Gebiet des heutigen Baden-Württembergs erst durch das Wirken Karls des Großen und die fortschreitende Christianisierung. Karl der Große förderte den Anbau von Wein und legte in den „Capitulare de villis” (5) fest, wie genau der Anbau von Wein zu erfolgen hat. Interessanterweise war Karl der Große ein Mensch, der Alkohol wohl eher nur in Maßen getrunken hat und nicht mehr ganz nüchternen Zeitgenossen ziemlich ablehnend gegenüberstand (6). Maßgeblichen Einfluss nahmen auch die Klöster auf die Entwicklung. Wein wurde als Getränk für religiöse Kulthandlungen (7) benötigt. Von den Zisterziensern heißt es, dass jedes Kloster einen Weinberg haben musste (8), damit der Wein für die Abendmahlfeier zur Verfügung stand. So verbreitete sich der Weinanbau im Mittelalter zusehends. In Regionen wie dem heutigen Württemberg, in denen große Anbaugebiete lagen, wurde Wein zum Allerweltsgetränk.

Weinbau im Stromberggebiet

Weinbau war im Gebiet des Strombergs über Jahrhunderte der wichtigste Wirtschaftszweig. Allerdings war auch ein stetes Auf und Ab zu beobachten, ausgelöst durch Kriege aller Art (beispielsweise massive Einschnitte durch den Dreißigjährigen Krieg), Missernten, dem Entstehen von Konkurrenz anderer Getränke oder neuer Weinbauregionen.

Im letzten Jahrhundert erlebte der Weinbau seinen Tiefpunkt. Gleichzeitig setzte die Maschinisierung der Landwirtschaft ein, die in der kleinparzellierten Landschaftsstruktur keine guten Produktionsbedingungen vorfand. Die Flurbereinigung war die Antwort auf diese Problematik und machte auch vor den Weinbergen nicht halt. Um die Hänge maschinenbearbeitbar zu machen, mussten zwangsläufig Trockenmauern weichen. Die Weinberge im Stromberg stocken nicht auf Steillagen wie beispielsweise über weite Strecken die Weinberge am Neckar. Deswegen konnten solche Eingriffe tatsächlich zu einer Nivellierung führen und die Bearbeitbarkeit des Hanges verbessern.

Heute sind die Flächen auf denen es zulässig ist Wein anzubauen behördlicherseits eingeschränkt. Im Rebenaufbauplan (9) wird geregelt wo Wein angebaut werden darf.

Nach oben§ 32 Landesnaturschutzgesetz (Baden-Württemberg)

Quelle: www.landesrecht-bw.de - Anlage zum Naturschutzgesetz


Anlage zu § 32 Naturschutzgesetz - Trockenmauern

6.3 Trockenmauern

Trockenmauern sind Mauern in der freien Landschaft, die ohne Verwendung von Mörtel aus Natursteinen aufgeschichtet wurden.
Nicht erfasst sind Trockenmauern mit weniger als 0,5 m Höhe oder einer Mauerfläche von weniger als 2 m².
Besondere typische Arten der Trockenmauern sind:
  • Streifenfarn-Arten (Asplenium spp.)
  • Mauer-Glaskraut (Parietaria judaica)
  • spezielle Moos- und Flechten-Arten
  • Mauereidechse (Lacerta muralis)
  • Rote Dickfußschrecke (Oedipoda germanica)
  • sowie Arten der offenen Felsbildungen


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Biotope im Süd-Westen
Magerrasen
Lebensraum Trockenmauer



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Nach oben (8) http://de.wikipedia.org - Weinbau in Deutschland: Die Bedeutung der_Klöster im Mittelalter >>>Zuletzt besucht: 26.02.2011
Nach oben (9) www.landesrecht-bw.de - Rebenaufbauplan >>>Zuletzt besucht: 26.02.2011

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