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Schouml;ner Südwesten

letzte Aktualisierung: 15.02.2010

Magerrasen


Nach oben Magerrasen

Magerrasen zeichnen sich durch ein geringes Nährstoffangebot im Oberboden und einer extensiven Bewirtschaftung aus. Wie der Name schon sagt: sie sind mager, anders als die Fettweiden oder –wiesen, deren reiches Nahrungsangebot einen ganz anderen Pflanzenbestand hervorbringt.

Aufgrund des unterschiedlichen Ausgangsgesteins werden weitere Unterscheidungen in

  • Besenginsterheiden
  • Flügelginsterweiden
  • Borstgrasrasen
  • Trespenrasen

getroffen. Inhalt dieses Artikels sind die letztgenannten Trespenrasen. Genauer gesagt die sogenannten Halbtrockenrasen. Als besondere Form der Magerrasen wird die Wacholderheide beschrieben.

Nach obenTrespen- und Halbtrockenrasen (Mesobrometum erecti)

Die Trespen-Halbtrockenrasen sind gekennzeichnet durch

  • Schlechte Nährstoffversorgung
  • Wassermangel

und häufig eine südliche Exposition mit dadurch bedingt hohen Temperaturen. An einem Südhang kann die Sonneneinstrahlung die Temperaturen in Bodennähe bis auf über 50 °C anwachsen lassen.
Wir finden diese Biotope auf kalkreichen Mergel- und Lehmböden. Das Ausgangssubstrat ist tiefgründiger als beispielsweise bei den Trockenrasen, die Wasserversorgung ist dadurch besser. Nichtsdestotrotz sind die Standorte grundwasserfrei. Regenwasser versickert auf den skelettreichen Böden schnell.
Wassermangel herrscht aber ebenfalls an Standorten in der Nähe von Flüssen auf Schotter- oder Kiesflächen, die kaum Wasserhaltekraft haben.

Im Gegensatz zu den Trockenrasen handelt es sich bei den Halbtrockenrasen um anthropogen bedingte Biotope. Der menschliche Eingriff durch Mahd und Verzicht auf Düngung ist entscheidend für Entstehung und Erhalt des Biotoptyps.

Die dominierenden Pflanzen sind die Gräser Aufrechte Trespe (Bromus erectus), die für diesen Biotoptyp vorherrschend ist, und die Fieder Zwenke (Brachypodium Pinnatum). Der hohe Anteil an Gräsern führt dazu, das Halbtrockenrasen auf den ersten Blick etwas langweilig wirken. Aber sie sind reich an unterschiedlichen Blütenpflanzen. Sie wirken allerdings nie so überbordend in ihrer Blütenpracht wie die zwei- bis dreischürigen Glatt- bzw. Goldhaferwiesen des Wirtschaftsgrünlandes.

Nach obenWacholderheiden

Wacholderheide

Wacholderheide im Naturschutzgebiet Eichhalde bei Bissingen auf der Schwäbischen Alb

Wie der Gesetzestext bereits deutlich macht, handelt es sich bei den Wacholderheiden um eine besondere Erscheinungsform der Magerrasen. Für weite Bereiche der Schwäbischen Alb insbesondere der Kuppenalb bei Münsingen sind die Wacholderheiden herausragendes Merkmal der Landschaft. Sie verdanken ihre Entstehung der Wanderschäferei.

Hier entwickelte sich eine Pflanzengesellschaft, die mit den extremen Bedingungen zu Recht kam. Mahd wie bei den Halbtrockenrasen und Schafbeweidung auf den Wacholderheiden haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Pflanzenwelt. Die Artenzusammensetzung ist zwar in Teilen ähnlich, doch die Unterschiede sind ebenfalls nicht zu übersehen.

Welche Pflanzen konnten also warum überleben? Anhand einiger Beispiele sollen die Wechselwirkungen erläutert werden.
Der namensgebende Wacholder schützt sich durch seine stacheligen Nadeln. Die dornige Hauhechel, der Kreuzdorn und die Schlehe erweisen sich in dieser Hinsicht ebenfalls als wehrhaft. Häufig findet man verschiedene Distelarten - allen voran das Wahrzeichen der Alb die Silberdistel - auf den Heideflächen. Verständlich, das die Schafe diese stacheligen Gesellen meiden. Die Kratzdisteln machen ihren Namen dabei alle Ehre.
Die verschiedenen Enzianarten haben einen bitteren Geschmack, Dost und Thymian werden ebenfalls wegen ihres Geschmacks nicht angenommen.
Da die Schafbeweidung wie ein kurz eingestellter Rasenmäher wirkt, können sich Pflanzen mit einem rosettenartigen Wuchs ebenfalls einen Konkurrenzvorteil verschaffen. Beispiele dafür sind die Wegerich Arten oder das Kleine Habichtskraut.

Der Enzian – Schillergras Halbtrockenrasen (Gentiano-Koelerietum) ist die vorherrschende Pflanzengesellschaft der Wacholderheiden der Schwäbischen Alb.

Nach obenLandschaftsgeschichte

Die Entstehungsgeschichte der beiden Biotoptypen Wacholderheide und Halbtrockenrasen ist ähnlich. Überall wo der Mensch siedelte, wurden die Wälder zurückgedrängt. Ob die Flächen als Wiesen, Weiden oder Ackerland genutzt wurden, entschieden die Entfernung zum Ort bzw. Hof und die standörtlichen Voraussetzungen.
In unmittelbarer Nähe zum Wohnraum der Menschen wurde Ackerbau getrieben. Hier befanden sich die ertragreichen oder zumindest leicht erreichbaren Flächen, deren Kraft durch Düngung aufrecht erhalten wurde. Die ertragreichen Flächen blieben also dem Ackerbau vorbehalten, die kargen und schlecht erreichbaren, da weiter entfernt liegenden, Flächen dagegen der Wiesennutzung. Die Standorte, auf denen die Halbtrockenrasen entstanden, waren besonders schwach. Wegen ihrer geringen Leistungsfähigkeit wurden die Wiesen nur einmal im Jahr gemäht, meistens Mitte Juli. Der Zeitpunkt der Mahd beeinflusst natürlich die Vegetationszusammensetzung. Durch die späte Mahd werden die Pflanzen bevorzugt, die bis zu diesem Zeitpunkt ausgeblüht haben, ihre Fruchtbildung beenden und sich wieder aussäen können.

Auf der Schwäbischen Alb war Ackerbau in weiten Teilen ein hartes Brot. Noch heute kann man sehen, wie steinig die Äcker sind. Weidewirtschaft war da vielfach die einzig sinnvolle Alternative oder Ergänzung zum mühseligen bestellen der Felder. Hier kamen weitere Faktoren hinzu, die die Entstehung von Wachholderheiden begünstigten. Die Alb ist ein Karstgebirge. Der zerklüftete Untergrund ist nur begrenzt in der Lage, Wasser zu halten. Schnell versickern die Niederschläge. Südexponierten Hänge erhitzen sich zudem rasch. Hohe Temperaturen und geringe Wasserhaltefähigkeit führen zu trockenen und mageren Standorten.
Auf diese Flächen wurden die Schafe getrieben. Die Wanderschäferei war weit verbreitet. Der Verbiss der Tiere und ihr Tritt übten auf die Vegetation einen erheblichen Einfluss aus. Hier konnte sich nur das langfristig durchsetzen, was vom Schaf verschmäht wurde und mit der Trittbelastung durch den Tierbesatz zurechtkam. Natürlich griff auch der Schäfer gelegentlich ein und entfernte unerwünschten Gehölzaufwuchs.

Nach obenSchutz und Pflege

Nutzungsaufgabe, Nutzungsumwandlung (beispielsweise durch Aufforstung) oder Nuztungsintensivierung (durch Düngung) waren in der Vergangenheit die Hauptgründe für den Rückgang der Wacholderheiden und Halbtrockenrasen.
Das Naturschutzgesetz verbietet heute negative Eingriffe in diese Biotope. Nutzungsumwandlung und -intensivierung stellen daher nicht mehr das große Gefährdungspotential dar.
Problematischer ist der Nutzungsverzicht. Auf vielen Flächen kann man beobachten wie sich beispielsweise die Schlehe durch Wurzelbrut in den Wacholderheiden unaufhörlich ausbreitet und zur Verbuschung der Gebiete führt. Der natürliche Gang der Dinge – die Sukzession – würde irgendwann dazu führen, dass diese herrliche Landschaft, die mit ihren säulenförmigen Wacholdern mediterrane Assoziationen wachruft, verschwinden würde.

Will man die Kulturlandschaft erhalten, so muss die ursprüngliche Nutzung wieder hergestellt oder simuliert werden. Es gibt daher im Grunde nur zwei Möglichkeiten: zum einen werden wieder Schafe über die Heiden getrieben oder die Heiden werden gemäht, sei es durch die Naturschutzverwaltung oder private Initiativen wie dem Schwäbischen Albverein.

Dabei haben beide Eingriffe nicht die gleiche Wirkung. So können sich Orchideen nur in nicht oder selten beweideten Wacholderheiden halten. Den herausragenden Einfluss, den die Schafbeweidung auf die Vegetation hat, konnte ich im Frühsommer 2009 in dem Naturschutzgebiet Limburg bei Weilheim erkennen. Eigentlich erwartete ich, verschiedene Orchideenarten zu sehen. Mückenhändelwurz oder auch die Hummelragwurz, die man normalerweise gut vom Weg aus sehen kann, waren nicht zu entdecken. Was ich allerdings sah, waren die Spuren einer vor kurzem durchgetriebenen Schafherde.

Nach obenPflanzen der Magerrasen basenreicher Standorte

Lateinischer Name Deutscher Name Blütezeit von Blütezeit bis
Anacamptis pyramidalis Hundswurz Juni Juli
Anthyllis vulneraria Echter Wundklee Mai September
Asperula cynanchica Hügel-Meister Juni Juli
Buphthalmum salicifolium Ochsenauge Juni September
Centaurea scabiosa Skabiosen-Flockenblume Juni Oktober
Dianthus carthusianorum Karthäuser-Nelke Juni September
Euphorbia cyparissias Zypressen-Wolfsmilch April Juli
Filipendula vulgaris Kleines Mädesüß Mai Juli
Galium verum Echtes Labkraut Mai Oktober
Gentiana verna Frühlings-Enzian März Juni
Gentianella ciliata Fransen-Enzian August Oktober
Gentianella germanica Deutscher Enzian Juli Oktober
Gymnadenia conopsea Mücken-Handwurz Mai August
Helianthemum nummularium Gewöhnliches Sonnenröschen Juni September
Hippocrepis comosa Hufeisenklee Mai September
Orchis militaris Helm Knabenkraut Mai Juni
Orchis simia Affen-Knabenkraut Mai Juni
Orchis ustulata Brand-Knabenkraut Mai Juli
Pimpinella saxifraga Kleine Bibernelle Juni Oktober
Potentilla heptaphylla Rötliches Fingerkraut April Juni
Pulsatilla vulgaris Küchenschelle März April
Ranunculus bulbosus Knolliger Hahnenfuß Mai Juli
Salvia pratensis Wiesen-Salbei April August
Stachys recta Berg.Ziest Juni Oktober
Teucrium chamaedrys Edel-Gamnader Juli September
Trifolium montanum Berg-Klee Mai September

Nach oben § 32 Landesnaturschutzgesetz (Baden-Württemberg)

Quelle: www.landesrecht-bw.de - Anlage zum Naturschutzgesetz


Anlage zu § 32 Naturschutzgesetz - Wacholderheiden

3.3 Wacholderheiden

Wacholderheiden sind beweidete oder ehemals beweidete Magerrasen, einschließlich deren Brachestadien, mit lockerstehenden Wacholderbüschen sowie anderen Sträuchern und Bäumen, meist auf kalkreichen, zum Teil auch oberflächlich entkalkten Standorten. Nicht erfasst sind Wacholderheiden unter einer Fläche von 1.000 m2, soweit es sich nicht um Magerrasen im Sinne von Nummer 3.5 handelt.Besondere typische Arten der Wacholderheiden sind Arten der Magerrasen und folgende Arten:
  • Gewöhnlicher Wacholder (Juniperus communis)
  • Stengellose Silberdistel (Carlina acaulis)
  • Enzian-Arten (Gentianella ciliata, Gentianella germanica, Gentiana verna)
  • Schaf-Schwingel (Festuca ovina agg.)
  • Fieder-Zwenke (Brachypodium pinnatum)
  • Aufrechte Trespe (Bromus erectus)


Anlage zu § 32 Naturschutzgesetz - Magerrasen

3.5 Magerrasen

Magerrasen sind durch Nährstoffarmut oder geringe Nährstoffverfügbarkeit gekennzeichnete, extensiv nutzbare Weiden und Wiesen sowie deren Brachestadien einschließlich locker mit Gehölzen bestandener Flächen. Dazu gehören Borstgrasrasen, Flügelginsterweiden, Besenginsterweiden und Trespenrasen. Nicht erfasst sind Flächen, die kleiner als 500 m2 sind, es sei denn, sie liegen in engem räumlichen Verbund zueinander oder zu anderen besonders geschützten Biotopen. Besondere typische Arten der Magerrasen sind:

  • Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)
  • Aufrechte Trespe (Bromus erectus)
  • Knolliger Hahnenfuß (Ranunculus bulbosus)
  • Fingerkraut-Arten (Potentilla incana, Potentilla neumanniana, Potentilla heptaphylla)
  • Gewöhnliche Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris) Wohlriechende Skabiose (Scabiosa canescens)
  • Tauben-Skabiose (Scabiosa columbaria)
  • Gewöhnliches Sonnenröschen (Helianthemum nummularium) Wolfsmilch-Arten (Euphorbia seguieriana, Euphorbia cyparissias)
  • Kleine Pimpernelle (Pimpinella saxifraga)
  • Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum)
  • Gewöhnlicher Hufeisenklee (Hippocrepsis comosa) Gewöhnlicher Wundklee (Anthyllis vulneraria)
  • Echter Gamander (Teucrium chamaedrys)
  • Aufrechter Ziest (Stachys recta)
  • Trifthafer (Helictotrichon pratensis)
  • Gewöhnlicher Taubenkropf (Silene vulgaris)
  • Skabiosen-Flockenblume (Centaurea scabiosa)
  • Knabenkraut-Arten (Orchis militaris, Orchis simia) Ragwurz-Arten (Ophrys spp.)
  • Hundswurz (Anacamptis pyramidalis)
  • Kreuzblumen-Arten (Polygala comosa, Polygala amarella)
  • Kalk-Blaugras (Sesleria albicans)
  • Echtes Labkraut (Galium verum)
  • Knollige Spierstaude (Filipendula vulgaris)
  • Hügel-Meister (Asperula cynanchica)
  • Großes Schillergras (Koeleria pyramidata)
  • Berg-Klee (Trifolium montanum)
  • Frühlings-Segge (Carex caryophyllea)
  • Borstgras (Nardus stricta)



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