Diese Seite verwendet Cookies und bindet Dienste von Drittanbietern ein, die Cookies einsetzen. Wenn Sie weiter auf dieser Seite surfen, dann stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr Informationen finden Sie hier: Datenschutz
Schouml;ner Südwesten

letzte Aktualisierung: 26.02.2012

Lebensraum Trockenmauer


Nach obenLebensraum Trockenmauer

Die Ökologie von Trockenmauern kann sehr unterschiedlich sein. Sie ist abhängig von der Exposition aber auch von der verwendeten Gesteinsart und der Qualität der Mauerung.Kennzeichnendes Merkmal einer Trockenmauer ist das sie „trocken” vermauert ist, also kein Bindemittel wie Mörtel verwendet wird. Gerade die Lücken im Mauerwerk, die sich durch die trockene Bauart zwangsläufig ergeben, bieten für viele unterschiedlichste Lebewesen eine Nische.

Nach obenFugen und Hohlräume

Eine Trockenmauer besteht zum einen aus dem sichtbaren Mauerwerk und zum anderen aus der Hinterfütterung. Die Hinterfütterung besteht ebenfalls aus verbauten Steinen und übernimmt eine wichtige Funktion für die Stabilität und die Drainage des Bauwerks.

Das Mauerwerk weist mehr oder weniger enge Fugen auf. Je professioneller eine Mauer aufgesetzt wird und je wichtiger ihre Funktion ist, umso enger werden die Fugen sein. Eine Mauer, die nur aus extra für diesen Zweck gebrochenen und behauenen Steinen besteht, wird dabei naturgemäß enger aneinander gesetzt werden können, als wenn die Trockenmauer aus zusammengetragenen Lesesteinen aufgebuat wird. Die Breite der Fugen ist dabei ein wichtiges Strukturelement und stellt für den Biotop Trockenmauer ein relevantes Habitat da. Das gleiche gilt für die Hinterfütterung. Die Hinterfütterung beinhaltet dabei bauartbedingt die größeren Hohlräume, die sich mit der Zeit entweder mit Bodensubstrat füllen oder durch die Arbeit des Hanges auch vergrößern können.

Trockenmauer

Zwischen den Fugen wachsen bereits Schlehen

Nun kann man sich leicht vorstellen, das die Größe der Hohlräume und die Breite der Fugen einen entscheidenden Einfluss auf die Besiedlung durch Insekten, Vögel, Säugetiere oder Reptilien haben kann. Während eine Mauerbiene mit einem kleinen Spalt zurechtkommt, wird eine Wespenkönigin sich zwar ebenfalls durch diesen Spalt problemlos begeben können, gegebenenfalls aber wieder unverrichteter Dinge abziehen, wenn sie dahinter keinen Hohlraum findet, der groß genug für ein Nest ist. Hausrotschwanz oder Mauereidechse - um zwei weitere Beispiele zu nennen - brauchen naturgemäß größere Fugen als ein Insekt und naturgemäß auch größere Hohlräume, um den Platz als Nistplatz oder Versteck nutzen zu können.

Nach obenTemperatur und Sonneneinstrahlung

Je nachdem an welchem Standort eine Trockenmauer steht, variieren die Bedingungen. Auf vielen Hängen, die vormals für den Weinbau urbar gemacht und deswegen mit Trockenmauern gegliedert wurden, wächst heute Wald. Die Mauern sind ganztägig beschattet und weisen daher deutlich andere Bedingungen auf, als die Trockenmauern, die südexponiert in der prallen Sonne stehen. In den Naturschutzgebieten Füllmenbacher Hofberg, Schützinger Spiegel oder auch in der historischen Weinlandschaft bei Ochsenbach kann man einen Eindruck gewinnen, inwiefern die Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf wechselt. Mauern, die ganztägig beschienen sind stehen unweit von Mauern, die zumindest teilweise im Schatten von Gebüsch stehen. Diese kleinklimatischen Unterschiede führen zu einer hohen Differenzierung der einzelnen Habitate.

Während also die Mauer an sich sehr stark aufheizen kann, verbleiben die dahinter liegenden Hohlräume in einer angenehmen Kühle.

Nach obenBesiedlung durch Pflanzen

Für Pflanzen stellt sich der Lebensraum Trockenmauer sehr unterschiedlich dar. Man kann drei Bereiche unterscheiden.

  • Mauerfuß
  • Mauerkörper
  • Mauerkopf

Die wesentlichen ökologischen Unterschiede dieser drei Bereiche beziehen sich auf die Wasserversorgung, das Substrat und damit die Nährstoffversorgung und das Temperaturregime.

Am Mauerfuß stehen den Pflanzen sowohl ausreichend durchwurzelbarer Boden als auch Wasser zur Verfügung. Auch die Nährstoffversorgung ist eine bessere. Die nachschaffende Kraft des Hanges führt grundsätzlich zu einer besseren Nährstoff- und Wasserversorgung am Hangfuß. Einen ähnlichen Effekt kann man auch bei Trockenmauern beobachten.

Im Mauerkörper können sich zwischen den Fugen Pflanzen ansiedeln. Die Bedingungen sind hier aber ungleich härter als im Offenland. Nachdem eine Mauer gesetzt wurde, befindet sich in den Fugen zunächst noch kein Substrat. Im Laufe der Zeit setzt sich durch Windverfrachtung in den Fugen allerdings Erdreich ab. Hinter der sichtbaren Mauer befindet sich zusätzlich die Hinterfütterung, die zunächst ebenfalls weitgehend substratfrei ist. Sie dient der Drainage und so kommt es, dass das vom Hang Richtung Mauer drückende Wasser in die Hohlräume der Hinterfütterung eindringt und Erdreich einschwemmt. Dieser Vorgang nimmt einige Zeit in Anspruch. Hat sich aber erst einmal etwas Substrat angesammelt, kann es mit der Besiedlung losgehen.

Der Standort weist jedoch nach wie vor extreme Verhältnsise auf. Zum einen ist in Weinbergen die Sonneneinstrahlung sehr hoch, zum anderen ist, wie wir gesehen haben, kaum oder kein wasserspeichendes Substrat vorhanden. Daher ist der Pflanzenstandort in den Fugen durch extreme Trockenheit gekennzeichnet. Pflanzen, die hier wachsen, müssen entweder mit der Trockenheit zurechtkommen, sich also schützen in dem sie den Wasserverlust so klein wie möglich halten, oder in der Lage sein tiefe Wurzeln auszubilden, um an die wasserreicheren Stellen heranzukommen.

Die Evolution hat sich wie immer sehr erfindungsreich erwiesen und unterschiedliche Methoden entwickelt, um mit dem Trockenstress zurecht zu kommen. Schutzmechanismen richten sich häufig gegen den Wasserverlust, sie reduzieren die Verdunstungsmenge. Die Zypressenwolfsmilch beispielsweise verfügt über sehr schmale Blätter wodurch die mögliche Verdunstungsfläche reduziert wird, und „der Wilde Dost schützt sich durch lederartige Blätter vor der Austrocknung” (1). Der Weiße Mauerpfeffer (Sedum album) wiederum kann in seinen dickfleischigen Blättern Wasser speichern. Eine ganz besondere Variante zeichnet das Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) aus. Diese Pflanzenart ist in der Lage mit zunehmenden Alter resistenter gegen Trockenheit zu werden und kommt dadurch mit dem Wassermangel immer besser klar (2).

Den Mauerkopf kann man unterteilen in den Bereich in dem flache Steine den Abschluss der Mauer darstellen und den dahinterliegenden Teil, der aus mit Erde überschütterter Hinterfütterung besteht. Erstgenannter Bereich ist wiederum durch sehr trocken und nährstoffarme Verhältnisse gekennzeichnet. Letztgenannter Bereich ist gekennzeichnet durch vorhandenes ggf. aber nur flachgründiges Substrat. Durch die mehr oder weniger dicht anstehende Hinterfütterung ist der Boden sehr wasserdurchlässig. Sofern die Mauer nicht beschattet sondern sonnenexponiert ist, handelt es sich um trockene bis mäßig trockene Standorte.

Nach obenArten der Trockenmauer

Welche Tier und Pflanzenarten kann man nun erwarten? Das Landesnaturschutzgesetz nennt verschiedene Arten, die den Biotop Trockenmauer charakterisieren. Darüber hinaus seien noch weitere Arten genannt.

Pflanzenarten

  • Weißer Mauerpfeffer (Sedum album)
  • Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare)
  • Fingerkraut (Potentilla)
  • Zimbelkraut (Cymbalaria muralis)
  • Mauerraute (Asplenium ruta-muralis)
  • Zypressenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias)

Tiere

  • Mauerfuchs (Lasiommata megera)
  • Spitzmäuse (Soricidae)
  • Erdkröte (Bufo bufo)
  • Zebraspinne (Salticus scenius)
  • Schlingnatter (Coronella austriaca) (3)
  • Mauereidechsen (Podarcis muralis) (4)
  • Zauneidechse (Lacerta agilis)
  • Mauer- und Mörtelbienen (Megachilidae)
  • Steinhummel (Bombus lapidarius) (5)
  • Mauswiesel (Mustela nivalis)


Nach obenTrockenmauern im Garten

Zauneidechse

Männliche Zauneidechse

Wer einen interessanten Lebensraum in seinem eigenen Garten schaffen will, kann eine Trockenmauer bauen, die absichtlich nicht ganz so perfekt ist, wie sie sein könnte bzw. nach der reinen Lehre sein müsste. Beachten muss man dabei allerdings, dass das auf Kosten der Stabilität geht und daher nur in unkritischen Bereichen durchgeführt werden sollte. Man kann daher verschiedene Grundsätze des Trockenmauerbaus etwas freier interpretieren (6).

Beispielsweise

  • Schaffen von größeren Fugen
  • Schaffen von größeren Hohlräumen
  • Einbringen von Substrat, um nicht die natürliche Entwicklung abwarten zu müssen
  • Trockenmauer nicht vollständig mit gesetzten Gartenpflanzen beschatten

Wem der Bau einer Trockenmauer zu aufwändig ist oder wer keinen Hang zum sichern hat, der kann eine Mauer natürlich auch frei in die Landschaft bauen, oder alternativ einen Lesesteinhaufen (7) (8) aufschichten.

Weiterführende Informationen zur Ökologie der Trockenmauer finden Sie bei (9).



- Seite 5 -



Leser dieser Seite interessierten sich auch für:
Webseiten
Nach oben (1) www.enzkreis.de - Trockenmauern (PDF) >>> Zuletzt besucht: 27.02.2011
Nach oben (2) www.Nabu.de: Lebendiges Mauerwerk (PDF)>>> Zuletzt besucht: 28.02.2011
Nach oben (3) www.naturschutz.landbw.de: Reptilien (PDF)>>> Zuletzt besucht: 28.04.2011
Nach oben (4) www.lubw.baden-wuerttemberg.de: Mauereidechse (PDF)>>> Zuletzt besucht: 28.02.2011
Nach oben (5) www.wildbienen.de - Die Steinhummel >>> Zuletzt besucht: 28.02.2011
Nach oben (6) www.wildvogelhilfe.org - Trockenmauern>>> Zuletzt besucht: 28.02.2011
Nach oben (7) www.oekostation-borna-birkenhain.de - Lesesteinhaufen>>> Zuletzt besucht: 28.02.2011
Nach oben (8) www.naturtipps.at - Trockenmauern>>> Zuletzt besucht: 28.02.2011
Nach oben (9) www.raschberg.com - Ökologie der Trockenmauern (PDF)>>> Zuletzt besucht: 28.02.2011

Besuchen Sie Schöner - Südwesten auch auf Facebook

und auf YouTube

Aus dieser Rubrik
Wandern im Südwesten
Die Natur im Südwesten

Im Sued-Westen Die Natur im Südwesten ist vielgestaltig. Ob Obstwiesen, Magerrasen, Wacholdeheiden oder ausgedehnte Wälder, geht man auf einer Wanderung mit offenen Augen und einer Portion Neugier durch die Landschaft, wird man immer wieder neues entdecken können.

Stromberg-Heuchelberg

Copyright 2008 - 2015 by Marko Leson  
Startseite | Impressum | Datenschutz